Ist eigentlich alles Obst und Gemüse per se vegan?

Eine Frage, die man sich eigentlich nie stellt, weiß man doch die Antwort darauf schon im Voraus. Mittlerweile wissen wir und geben zu bedenken, dass auch im Anbau kontrolliert ökologischer Lebensmittel sehr viele Düngemittel auf tierischer Basis existieren. Sie heißen dann Hornpellets, Haarmehlpellets, Bioilsa und viele mehr. Diaglutin N Pellets auf Federmehlbasis sind gerade als neues Düngemittel für den Bioanbau zugelassen worden. Alle diese Düngemittel enthalten Schlachtabfälle konventioneller Schlachtereien. Wir bewirtschaften unseren Hof bereits seit 1968 kontrolliert ökologisch und seit 2001 nach Biolandrichtlinien. Darüber hinaus haben wir uns im letzten Jahr aus ethischen Gründen entschieden, unser Obst biovegan anzubauen. Das bedeutet für uns, wir verzichten vollständig auf tierische Düngemittel und Präparate, tierische Überreste von Schlachthöfen, Blutmehle und Fischmehle. Gedüngt wird mit pflanzlichen Komposten, Zwischenfrüchten wie Ölrettich, Rübsen u.ä., allerdings sind dadurch unsere Erträge auch geringer. Die von uns verwendeten Düngemittel auf pflanzlicher Basis sind natürlich vom Bioland Verband zugelassen.

Unser Obsthof

Elstar, Jonagored ... aber auch Finkenwerder Herbstprinz, Seestermüher Zitronenapfel oder Lavanthaler Bananenapfel, alles Apfelsorten, die wir auf unserem Hof anbauen. Und es gibt hier noch viel mehr: 45 Apfelsorten, 12 Birnensorten, unzählige Pflaumen- und Zwetschgensorten, Reineclauden, Mirabellen und Johannisbeeren. Alle Früchte auf unserem Obsthof sind nach Bioland Richtlinien angebaut und darüber hinaus haben wir uns aus ethischen Gründen entschieden, unser Obst biovegan anzubauen. Das bedeutet, wir setzen keinerlei Düngemittel bzw. Präparate ein, welche tierische Bestandteile enthalten.

In Steinkirchen, im Herzen des Alten Landes gelegen, ist unser Hof seit 1873 in Familienhand, mittlerweile in der 5. Generation, seit 1968 wird unser Betrieb ökologisch bewirtschaftet. Auch der BUND e.V. konnte feststellen, dass auf unserem Hof im Vergleich zu anderen ökologisch wirtschaftenden Betrieben eine sehr hohe Vielfalt in Bezug auf Flora und Fauna vorhanden ist. Dieses ist auf unsere nützlingsschonende Wirtschaftsweise zurückzuführen. Wir betreiben einen Obstanbau, der unseren Lebensraum schützt und Verbrauchern gesundes Obst zur Verfügung stellt. Ein verantwortungsbewusster Obstanbau beinhaltet auch die Erhaltung alter Obstsorten und so gibt es auf unserem Hof traditionell extensiv genutzte wunderschöne alte Obstbaumalleen. Es gibt historische Obstsorten, die teilweise in Zusammenarbeit mit dem renommierten Apfelspezialisten Eckart Brandt aufgepflanzt wurden. Und wir haben natürlich auch eine Vielfalt neuerer Apfel- und Birnensorten zu bieten.

Wir garantieren für die Qualität und Herkunft jeder einzelnen Frucht: Jeder Apfel wird per Hand auf unseren eigenen Plantagen geerntet, auf unserem Hof gelagert, sortiert und abgepackt. So kann man beispielsweise ganz genau nachvollziehen, von welcher Plantage ein Apfel stammt, wer ihn gepflückt hat und wann genau das war. Sehr wichtig ist auch, dass unser Obst reif geerntet wird, ungesunde Säuren sind dann abgebaut und die Früchte entfalten ihr volles Aroma. Wir vermarkten ausschließlich unsere hofeigenen Erzeugnisse, denn nur für unser eigenes Obst können wir auch garantieren!

“An Apple a day, keeps the doctor away.”

Unsere heutigen Apfelsorten lassen sich vorwiegend auf die Wildformen Zwergapfel (malus pumila) und Holzapfel (malus silvestris) zurückführen, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kleinasien bzw. der Kaukasus war. In letzter Zeit werden auch verstärkt Wildformen zur Erzielung von Frosthärte und Krankheitsresistenz eingekreuzt.

Heute ist der Apfel nach Bananen und Zitrusfrüchten weltweit die wichtigste Obstart. Äpfel schützen die Gesundheit, denn die in den Äpfeln enthaltenen Antioxidantien sollen den Cholersterinabbau fördern und damit einer Arterienverkalkung vorbeugen. Neben ihrem Ballaststoff- und Vitamingehalt und ihrem niedrigen glykämischen Index liegt der größte Wert der Äpfel wahrscheinlich in ihrem Gehalt an Polyphenolen. Die Polyphenole von Äpfeln sorgen für einen gesunden Blutzuckerspiegel. Insbesondere die Schale von Äpfeln ist reich an verschiedenen Polyphenolen, einschließlich Phloridzin, das gegen die Glykierung schützt. Glykierung bezeichnet die schädliche Querverbindung von Zucker und Eiweiß, die menschliches Gewebe altern lässt. So sind Äpfel sehr gesund, wahre Abnehm-Wunder und halten jung!

Birnen

Die heutigen Kultursorten stammen in erster Linie von der Holzbirne (pyrus pyraster) und einigen anderen Wildformen ab, die ihr Hauptverbreitungsgebiet in Mittel- und Südeuropa bis hin nach Kleinasien haben. Die meisten unserer heutigen Sorten gehen auf Züchtungsarbeit im 18. und 19. Jahrhundert in Frankreich und Belgien zurück. Erst in den letzten Jahren entstanden einige neue, wichtige Sorten.

Pflaumen

Pflaumen (prunus domestica) ist der Oberbegriff für alle Pflaumen- und Zwetschenarten, dazu gehören u. a. auch Mirabellen und Reineclauden. Eine Unterteilung zwischen Pflaume und Zwetsche findet nur in den Köpfen der Menschen statt, die ganz bestimmte Wertvorstellungen mit diesen Begriffen verbinden. Die Pflaume gilt als rundlich, schwerer vom Stein lösend und beim Kochvorgang eher zerfallend, dafür jedoch für den Frischverzehr sehr gut geeignet. Die Zwetsche ( auch Zwetschge, Zwetschke, geschrieben ) ist eher spitzoval , zerfällt beim Kochvorgang nicht, ist besser steinlösend, jedoch zum Frischverzehr aufgrund stärkerer Säure weniger geeignet. Alle Pflaumensorten haben einen weißlichen Belag, welcher abwischbar ist. Er entsteht durch wachsartige Hautausscheidungen und dient als Schutz vor dem Austrocknen. Die große grüne Reineclaude, auch Reneklode oder Zuckerpflaume genannt, ist eine sehr alte Sorte und stammt aus Armenien bzw. Syrien. In Frankreich wurde sie dann ab Mitte des 15. Jahrhunderts angebaut und nach der Gemahlin von König Franz benannt, Reine Claudia. Die Reineclaude ist eine runde Pflaume von grüner bzw. grünlich- gelber Farbe und schwer steinlösend. Sie hat einen hervorragenden Geschmack, eigentlich den besten aller Pflaumensorten und ist sowohl ausgezeichnet zum Frischverzehr, als auch zum Einwecken in Gläser geeignet. Mirabellen sind kleine runde gelbe Pflaumen, teilweise mit roten Punkten. Sie werden schon seit 1490 in Frankreich angebaut und kamen Mitte des 18. Jahrhunderts nach Deutschland. Sie schmecken normalerweise sehr süß, lösen sich gut vom Stein und sind auch ausgezeichnet geeignet zum Brennen von Obstschnaps. Auf unserem Betrieb gibt es mindestens 50 Pflaumensorten. Sollten nun Kunden nach bestimmten Eigenschaften fragen, so können wir

jederzeit Auskunft über die gerade reife Sorte und deren Pflaumen- bzw. Zwetscheneigenschaften geben. Und noch zwei Worte zur Entwicklung des Pflaumenanbaus im Alten Land: Der Pflaumenanbau bekam ab 1850 im Alten Land eine große Bedeutung mit dem Export von Pflaumen nach England. Vor allem die Sorte “Saure Zwetsche“ wurde im großen Stil angebaut, da sie sehr gute Geliereigenschaften hat. In England wurden die Pflaumen zur Herstellung von Spirituosen, Marmeladen und englischen Spezialitäten wie Plumcake verwendet. Vor hundert Jahren war jeder zweite Obstbaum ein Pflaumenbaum. Heute liegen die Pflaumen bei 2,2% der Gesamtobstfläche des Alten Landes und die Äpfel bei mehr als 90%. Der Reifegrad der Pflaumen wird durch die Umfärbung der Früchte und das Weichwerden des Fruchtfleisches bestimmt. Unreife, harte Früchte enthalten zu viele Fruchtsäuren (vorwiegend Apfelsäure) und zu wenig an Fruchtzucker (bei reifen Früchten mehr als 10 %). Auch die Faserstoffe, Mineralstoffe, vor allem Kalium, fast alle B-Vitamine und Provitamin A lagern sich erst in der reifenden Frucht an. Aus unserer Sicht macht es daher keinen Sinn, die Früchte unreif zu ernten, damit sie möglichst lange gelagert werden können. Wir sind ein regionaler Betrieb, die Transportwege sind kurz und wir bitten unsere Kunden, das Weichobst mehrmals in der Woche frisch nachzuordern.

Johannisbeeren

Unsere heutigen Kultursorten der Roten und Weißen Johannisbeere stammen von Wildarten ab, die alle in Mittel- bzw. Südwesteuropa heimisch sind. Die Schwarze Johannisbeere geht vorwiegend auf die Wildart ribes nigrum zurück, die ebenfalls in Europa und Asien verbreitet ist. Im Gegensatz zum Kern- und Steinobst, die im Altertum schon eine große Bedeutung hatten, fanden diese Beerenobstarten erst seit dem 15. Jahrhundert Eingang in die Gärten.

Die vielseitige Verwendbarkeit der Früchte und die relativ problemlose Kultur haben viel zur Verbreitung dieser Beerenobstarten beigetragen. Daneben spielt der gesundheitliche Wert eine wichtige Rolle. Sehr reich an Inhaltsstoffen, besonders an Vitamin C, ist die Schwarze Johannisbeere, die weitaus mehr Vitamin C enthält als Zitrusfrüchte. Aber auch andere Vitamine und Mineralstoffe sind reichlich vorhanden.

Wir, das sind Johannes, Ulrike und Tochter Anna, bewirtschaften unseren Obsthof seit 1994. Er liegt in Steinkirchen, mitten im Herzen des Alten Landes. Steinkirchen ist eine frühe Holländersiedlung aus dem 13. Jahrhundert. Das Land liegt im Elburstromtal, das heißt, es wurde der Elbe im Laufe von Jahrhunderten abgerungen. Die Böden sind also aufgeschwemmte Marschböden und der Name Altes Land stammt daher, dass „Dat ole Land“ so schwer zu bearbeiten war und man mit den Gräben und den Deichen seine liebe Mühe hatte.

Im Jahr 1873 zog die Familie Cordes, sie hießen Claus und Anna und waren die Ururgroßeltern von Johannes, von Bachenbrock nach Steinkirchen um. Die Gemeinde wollte damals keinen Weg zu dem alleinstehenden Gehöft bauen. Alle Gebäude wurden abgebaut und in Steinkirchen wieder aufgebaut. Das Bauernhaus auf dem Bergfried stand allerdings schon, es ist ungefähr 400 Jahre alt. Die Familie Cordes, die um 1873 den Hof bewirtschaftete, baute Getreide an, vorwiegend Weizen, denn der wuchs besonders gut auf den schweren Marschböden, damals hatte man ja auch noch keine schweren Maschinen und Ackerbaugeräte, also auch keine Probleme mit Bodenverdichtungen. Auch Rinder-, Pferde- und Schweinehaltung gab es, die Tiere waren im hinteren Bereich des Bauernhauses untergebracht. Der Obstbau spielte damals auch schon eine Rolle, allerdings als Nebeneinnahmequelle. Damals wurden auf dem Hof unzählige Obstsorten angebaut. Diese Sortenvielfalt war eine Strategie gegen komplette Ertragsausfälle, denn es gab noch keinen entsprechenden Pflanzenschutz gegen Schädlinge.

Das Kirschengeld war für die Frau, damit wurden die Töchter ausgestattet, Silberbesteck beschafft, das berühmte “Altländer Filigran“, und der Hausgiebel verschönert, deshalb existieren immer noch die prachtvollen Giebel der denkmalgeschützten alten Bauernhäuser. Das übrige Obstgeld war für den Mann und wurde in den Betrieb investiert. Familie Cordes verkaufte ihr Obst an Obsthändler, zu dieser Zeit gab es einen blühenden Handel mit Pflaumen und Kirschen nach England und Äpfeln nach St. Petersburg. Damals war jeder zweite Obstbaum übrigens ein Pflaumenbaum, heutzutage machen Pflaumen nur noch ungefähr 2% des Obstbaus im Alten Land aus. Sein Sohn Heinrich wanderte nach Amerika, Los Angeles aus, bewirtschaftete dort einen 100 ha Hof. Die Fläche gehört mittlerweile zum Stadtzentrum von L.A.



Der Betriebsnachfolger in Steinkirchen, also der jüngste Sohn des Claus, der übrigens auch Claus hieß, hatte eine sehr schöne Pferdezucht, eines seiner Pferde wurde sogar 1910 nach Chicago verkauft. Er war Bürgermeister von Steinkirchen und ein Zimmer auf der rechten Seite des Bauernhauses war das Standesamt. Er hatte die finanziellen Möglichkeiten, für seinen ältesten Sohn Johannes, der aufgrund des Jüngstenerbrechts den Steinkirchener Hof nicht bekam, einen neuen Hof in Dingwörden zu erwerben. Auch dieser Hof ist bis heute in den Händen der Familie Cordes und wird zurzeit von Claus Cordes bewirtschaftet. Die nächste Generation, Helmut Cordes als Betriebsnachfolger, wandelte ein Großteil der Getreideflächen zu Obstbauflächen um, denn ab 1934 gab es im Zuge des Dritten Reiches festgeschriebene Erzeugerpreise für Obst, der Obstanbau wurde plötzlich attraktiver im Alten Land, als der Getreidebau. Helmut Cordes verstarb 1940 im Frankreichfeldzug, seine Frau verstarb 1942. Danach bekamen die beiden Töchter einen Vormund, der den Hof bis zur Volljährigkeit der jüngeren Tochter bewirtschaftete. 1959 übernahm die jüngere Tochter mit ihrem Mann zusammen den Hof.

1968 schloß sich unser Obsthof der bäuerlichen Gesellschaft an, die 1952 gegründet wurde. Die Bäuerliche Gesellschaft organisierte gleichgesinnte Menschen und begleitete die Mitglieder bei der Umstellung der Höfe auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Nachdem die Eltern von Johannes auf diesem Weg den Obsthof umgestellt hatten, erhielten sie 1968 die Demeter Anerkennung und gehörten damit zu den ältesten kontrolliert ökologisch wirtschaftenden Betrieben überhaupt. Damals beinhaltete die Bewirtschaftung als Demeter Hof noch eine Betriebsgemeinschaft gleichgesinnter Menschen, geschlossene Betriebskreisläufe mit Tierhaltung, die autark ohne Einsatz außerbetrieblicher Düngemittel wirtschaften mussten. Da sich dieses alles innerhalb der Demeter Szene änderte, man sich immer weiter von den eigenen Idealen entfernte, beschlossen wir im Jahr 2001, uns der Gemeinschaft der Bioland-Erzeuger anzuschließen. Seit dem letzten Jahr, also 2016, haben wir uns darüber hinaus aus ethischen Gründen entschlossen, unseren Hof biovegan zu bewirtschaften, das heißt, wir setzen keinerlei Düngemittel bzw. Präparate ein, welche tierische Bestandteile enthalten. Übrigens hatten wir 1999 die Möglichkeit, die Flächen des Ursprungsbetriebes in Bachenbrock wieder zu erwerben, jetzt stehen unsere schönen Obstbäume darauf..

Unsere Plantagen

Auf ca. 75 ha Land bauen wir in folgender Aufteilung an:

  • 45 Sorten Äpfel auf 58 ha
  • 12 Sorten Birnen auf 12 ha
  • 25 Sorten Zwetschgen und Pflaumen auf 5 ha


Pflege der Bäume

Im Winter und Frühjahr werden die Bäume beschnitten, ausgelichtet und das kranke Holz herausgesägt. Dieses Holz wird mit einem Mulchhäcksler zerkleinert und in die Baumgasse gelegt. Im Winter sortieren wir außerdem das eingelagerte Obst, bereiten es auf und verteilen es an unsere Kundinnen und Kunden.
Wenn im Frühjahr die Plantagen in voller Blüte stehen, ist dies eine Pracht für Augen und Ohren! Viele Touristen kommen dann und genießen dieses Erlebnis.

Obsthof Cordes
Bergfried 9
D-21720 Steinkirchen

Tel. ( 0 41 42 ) 810 234
Fax (0 41 42) 810 236
post@obsthof-cordes.de


Beschreibung des Alten Landes sowie Anfahrtsskizze

Zwischen Hamburg und Stade liegt das Alte Land. Begrenzt auf das Urstromtal der Elbe ist es ca. 35 km lang, aber nur 7 km breit. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Elbe das Land durch Eindeichungen abgerungen. Dadurch entstand wohl auch der Name: “Dat ole Land”, was soviel bedeutet wie “Dieses alte, schwer zu bearbeitende Land”.

Die Böden - aufgeschwemmte Marschböden - und die Lage des Gebietes sind die ideale Voraussetzung für den Obstanbau. Die Nähe zur See gibt dem Apfel ein besonderes Aroma und ein ausgeglichenes Zucker-Säure-Verhältnis. In den letzten Jahrhunderten ist eine einzigartige Kulturlandschaft entstanden, die zu allen Jahreszeiten viele Besucher anlockt. Der Obsthof Cordes liegt in Steinkirchen, einer frühen Holländersiedlung aus dem 13. Jahrhundert.